Psychologie bei Texas Holdem Limit

Was verstehen wir unter Psychologie beim Pokern: Sie muessen herausfinden, was in den Koepfen Ihrer Gegner vorgeht, analysieren wie sie denken, versuchen herauszufinden, was Ihre Gegner meinen, dass Sie denken, und sogar versuchen herauszubekommen, was Ihre Gegner meinen, dass Sie denken, was nun wiederum Ihre Gegner denken. In diesem Sinne ist die Psychologie als eine Erweiterung des Bereichs „des Gegners Haende lesen“ zu sehen, und auch als eine Erweiterung des Repertoires der moeglichen Taeuschungsmanoever (in der Art und Weise wie Sie Ihre Haende spielen)

Ein Beispiel hierzu:
Angenommen Sie haben nichts and machen einen Bluff auf einen Flop, der ein Paar enthaelt. Ein stark spielender Gegner, der nun weiss, dass Sie bei diesem Flop gerne einen Bluff versuchen, erhoeht. Da Sie aber nun auch wissen, dass er weiss, dass Sie bei einem derartigen Flop einen Bluff versuchen werden, bedeutet dessen Erhoehung nicht, dass er eine starke Hand hat. Konsequenterweise, da Ihr Gegner ja auch einen Bluff machen koennte, sollten Sie einen Reraise machen und dann, wenn noetig, auf den Turn gleich wieder setzen.
Das fuehrt uns nun aber zu einem anderen Aspekt. Der Grund, warum man mit der obigen Spielweise Erfolg hat, ist, dass Sie gegen einen starken Gegner, der mitdenkt, spielen. Ein schwacher Spieler waere eine andere Geschichte. Genauso wenig, wie Sie einen schwachen Spieler auf eine bestimmte Hand einschaetzen koennen, koennen Sie Ihm einen Gedanken zuordnen. Ein schwacher Spieler erhoeht vielleicht (nachdem Sie gesetzt haben) bei einem Flop, in dem ein Paar liegt, mit einem kleinen Paar in seiner Hand, in der Hoffnung die naechste Karte kostenlos zu sehen, um dann vielleicht ein Full House zu machen und seinen Gegner zu schlagen, der „offensichtlicherweise“ einen Drilling in seiner Hand haelt.
Sehr theoretisches Holdem kann sogar ueber diesen 3.Level hinausgehen. Wir wollen einmal annehmen, dass 2 Karten der gleichen Farbe im Flop liegen und ein Spieler von einer fruehen Position setzt. Ein starker Spieler, der das Gefuehl hat, dass sein Gegner moeglicherweise einen Flush Draw spielt (da dieser Spieler normalerweise mit einer legitimen Hand einen Check Raise versuchen wuerde) erhoeht nun mit dem kleinstmoeglichen Paar in Verbindung mit einer Karte vom Board und setzt auch gleich wieder auf die Turnkarte. Sein Gegner, der dies nun realisiert, erhoeht mit seinem Flush Draw auf den Turn nochmals. Der Spieler, der das urspruengliche Raise plaziert hat, erkennt nun aber diese Moeglichkeit auch und callt. Nachdem die Hand gespielt ist, wir wollen einmal annehmen, dass die Fluskarte nicht gekommen ist, und der Spieler, der urspruenglich erhoeht hat, wirklich gegen einen Flushdraw gespielt hat, schauen seine Calls fuer seine Gegner natuerlich fantastisch aus. Auf der anderen Seite, wenn sich herausstellen sollte, dass der Spieler, der am Anfang setzte, wirklich eine Hand hat, schauen die Calls aus wie das Spiels eines Idioten.
Wenn man versucht Holdem auf einem sehr hohen Niveau zu spielen, kann das „Koennen Ihren Gegner zu ueberlisten“ manchmal in so eine Dimension kommen, dass Ihr Urteilvermoegen anfaengt schlechter zu werden. In herkoemmlichen Spielen gegen gute Spieler sollten Sie jedoch zumindest bis zum 3.Level denken. Denken Sie zuerst darueber nach, was Ihr Gegner haben koennte. Zweitens, machen Sie sich darueber Gedanken was Ihr Gegner denkt, dass Sie haben. Und drittens, bilden Sie sich eine Meinung darueber, was Ihr Gegner denkt, was Sie sich fuer Gedanken machen, was er haben koennte. Nur wenn Sie gegen schwache Spieler antreten, die sich keine Gedanken machen, was Sie haben koennten, und die sicherlich nicht darueber nachdenken, was Sie denken, was Ihre Gegner haben koennten, macht es keinen Sinn in einer hoeheren Ebene zu denken. Gegen alle anderen Spielertypen ist es von entscheidender Bedeutung fuer ein erfolgreiches Spiel, insbesondere, wenn Taeuschung und Irrefuehrung ein grosser Bestandteil des Spiels sind.
Es gibt aber noch mehrere andere Ideen, die eine gewichtige Rolle in der Psychologie des Pokerns spielen. Als erstes waere zu nennen, dass, wenn ein Gegner in einer Situation setzt, wo er mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass Sie callen werden, er nicht blufft.
Ein typisches Beispiel hierfuer waere, wenn Sie setzen, wenn alle Karten schon ausgeteilt sind, und ein Spieler macht dann eine Erhoehung. Es gibt mit Sicherheit sehr wenige Spieler, die dazu faehig sind am Schluss als Bluff eine Erhoehung zu machen. Gleiches gilt auch, wenn Sie selber einen Raise am Schluss machen, und ein Gegner erhoeht. Sie sollten jetzt normalerweise aussteigen, ausser Sie koennen mit Ihrer Hand einige legitime Haende, mit denen Ihr Gegner erhoehen koennte, schlagen.
Dies gilt jedoch nicht fuer die Turnkarte. Starke Spieler werden mit einer mittleren Hand, die ein gewisses Potential hat eine grosse Hand zu werden, auf den Turn erhoehen. (z.B. ein mittleres Paar auf den Flop, mit dem Sie jetzt auf den Turn noch zusaetzlich einen Flushdraw bekommen haben.) All diejenigen, die automatisch auf den Turn aussteigen , wenn sie erhoeht werden, geben zu viel auf. Dies gilt insbesondere fuer hoehere Limits, wo die Spiele gewoehnlich staerker sind.
Eine Folgeerscheinung des gerade diskutierten Prinzips waere, wenn Ihr Gegner immer dann setzt, wenn sich eine gute Chance auftut, dass Sie aussteigen. Jetzt kann es sehr wohl sein, dass Ihr Gegner nichts hat und blufft. In der Praxis bedeutet dies, dass immer, wenn Ihr Gegner in einer Situation setzt, wo er der Ueberzeugung ist, dass er eine gute Chance hat mit einem Bluff zu gewinnen, Sie es viel eher in Erwaegung ziehen muessen, sogar mit einer nur mittelstarken Hand zu callen.
Ein Beispiel waere, wenn niemand auf den Flop setzt und anschliessend eine kleine Karte auf den Turn kommt. Wenn nun einer Ihrer Gegner setzt und er der Spielertyp ist, der solche Situationen gerne ausnuetzt und versucht den Pot mit nichts zu gewinnen, ist es durchaus richtig mit einer relativ schwachen Hand zu callen.
Wenn Sie nicht sicher wissen, ob Sie setzen sollen oder nicht, ist es sehr wichtig darueber nachzudenken, was Ihr Gegner wohl denkt, was Sie haben koennten. Wenn Ihr Gegner eine starke Hand erwartet, sollten Sie mehr bluffen. (Sie sollten jedoch nicht mit einer halbwegs vernuenftigen Hand versuchen auch noch die allerletzte Wette zu plazieren.)

Ein Beispiel hierzu waere, wenn Sie mit folgenden Karten einen Reraise vor dem Flop machen:

As Dame

Es kommen nun 3 kleine, unbedeutende Karten im Flop und als letzte Karte ein Koenig. Wenn Sie die ganze Zeit gesetzt haben, ist es fuer einen Spieler, der nur ein kleines Paar hat, sehr schwer am Schluss zu callen.
Umgekehrt, wenn Sie wissen, dass Ihr Gegner Sie auf eine schwache Hand einschaetzt, sollten Sie natuerlich keinen Bluff versuchen, weil er nicht gelingen wuerde. Aber Sie sollten mit Ihren fairen Haenden versuchen das Maximum herauszuholen.
Eine gewisse Variation in Ihrem Spiel und das absichtliche Machen eines inkorrekten Spiels sind auch ein Teil der Psychologie in Holdem, weil Sie dadurch versuchen Einfluss auf die zukuenftige Denkweise Ihrer Gegner zu nehmen. Sie koennen zum Beispiel gelegentlich ein Reraise for dem Flop mit einer Hand wie 7 / 6s machen. Wenn Ihre Gegner nun Ihre Hand bei einem Showdown sehen, werden sie nicht mehr so leicht einen Steal gegen Sie versuchen, wenn in einer aehnlichen Situation unbedeutende Karten gefloppt werden. Sie haben auf diese Weise ein bestimmtes Image in den Koepfen Ihrer Mitspieler hinterlassen und werden in Zukunft Ihren Vorteil daraus ziehen, da Ihre Gegner spaeter, wenn Sie mit einer legitimen Hand erhoehen, desoefteren bezahlen werden.
Ein anderes Beispiel dieser Spielweise waere, ein Extraraise, mit Karten, die normalerweise nicht dafuer geeignet sind, zu Beginn einer Hand zu machen, um bei den Gegner den Eindruck zu hinterlassen, dass Sie ein Spieler sind, der Action liebt.
Sie koennen zum Beispiel desoefteren mit einer Hand wie der folgenden erhoehen: 5 3

Dieses Spiel kostet Sie nur einen Bruchteil einer Wette verglichen mit der mathematischen Erwartung, aber kann fuer Sie einen gewaltigen Betrag gewinnen, da Sie mit Ihren zukuenftigen Haenden eine Riesenaction bekommen werden.
Es gibt aber noch andere Moeglichkeiten, mit denen Sie das Spiel Ihres Gegners in Limit Holdem in Zukunft beeinflussen koennen. Sie koennen zum Beispiel einen, wie Sie finden, schlechten Call machen, wenn Sie der Ueberzeugung sind, dass dieses Spiel Ihre Gegner davon abhaelt, staendig sehr aggressiv gegen Sie zu spielen und bei jeder Gelegenheit zu setzen und zu erhoehen. Genauso muessen Sie das naechste Mal mit einer Hand callen, mit der Sie normalerweise nicht mitgehen wuerden, wenn Sie zuvor schon 2 oder 3 Mal gezwungen waren eine Hand am Schluss wegzuwerfen. Der Grund dafuer ist, dass Ihre Gegner Notiz von Ihrem Verhalten genommen haben und verstaerkt versuchen werden gegen Sie zu bluffen.
Eine andere weniger offensichtliche Situation, wo Sie ueber die Zukunft nachdenken sollten, ist, manchmal mit einer guten Hand in einer fruehen Position auf den Flop zu checken und dann auch nocheinmal auf den Turn zu checken, auch wenn auf den Flop niemand gesetzt hat. Nicht nur, dass Sie dadurch vielleicht jemand bei einem Steal auf den Turn erwischen, sondern durch dieses zweimalige checken mit einer guten Hand haben Sie in Zukunft weit bessere Chancen den Pot am Schluss zu stehlen (wenn Sie nichts haben und eine unbedeutende Karte am Schluss kommt), wenn niemand bisher gesetzt hat. Dieses „leicht schlechte“ Spiel wird bei den meisten Spielern nicht funktionieren. Aber Sie koennen damit Erfolg haben, wenn Ihre Gegner wissen, dass Sie dazu faehig sind mit einer guten Hand zweimal zu checken. Dann wird ein Spieler nicht so leicht mit einer mittelstarken Hand gegen Sie am Schluss einen Call machen.
Im allgemeinen sollten Sie jedes Spiel, das Sie machen, nur nach den Verdienstmoeglichkeiten bewerten, d.h. nach den Gewinnerwartungen in einer gegebenen Situation. Gelegentlich koennen Sie aber durchaus etwas tun, dass theoretisch falsch ist. Sie wollen damit einen bestimmten Eindruck bei den Mitspielern fuer die Zukunft hinterlassen. Wenn Sie Ihre Gegner einmal soweit haben, dass sie so denken, wie Sie es haben wollen, dann koennen Sie spaeter Ihren Vorteil daraus ziehen.
Sie sollten dabei aber nicht vergessen, dass diese Spielweisen nur gegen Spieler funktionieren, die gut genug sind, die von Ihnen bewusst preisgegebene Information aufzunehmen, und versuchen daraus einen Vorteil zu ziehen, die aber nicht gut genug sind, um zu realisieren, dass Sie dies wissen und sie es daher ignorieren sollten. Es scheint in Holdem eine grosse Gruppe von Spielern zu geben, die es lieben „Dinge wahrzunehmen“. Sie muessen nun herausfinden, wie diese Leute denken, und ob sie nur in dem Level denken, den Sie ihnen zutrauen. Wenn diese Spieler aber in einer hoeheren Ebene denken, muessen Sie diesen Schritt nachvollziehen.










 

 

 

 

 

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Erklärung der Spielkartenfarben:
Kreuz   Pik    Herz   Karo