2.12.

Heads-Up

Heads-Up am Schluss im Spiel bei Texas Holdem

Obwohl oft mit vielen Spielern gestartet wird, enden viele Poette in Holdem, wenn alle Karten ausgeteilt sind, Heads-up. Heads-Up bedeutet, dass nur noch 2 Spieler übrig geblieben sind.

Die meisten Spielvorschlaege, die wir bisher gemacht haben, gelten dann, wenn noch mehrere Karten kommen. Am Ende eines Spiels muessen Sie jedoch manchmal ganz andere Konzepte wie am Anfang anwenden. Dieser Abschnitt wird Ihnen einige Richtlinien aufzeigen, wie Sie vorgehen sollen. Zuerst wollen wir ueber solche Situationen reden, wo Sie als Letzter handeln. 

Die erste Frage, die viele Spieler stellen werden, ist, wann ist es richtig einen Bluff zu machen. Die Antwort auf diese Frage ist : Wenn Sie mit Ihrer Hand in einem Showdown sehr wahrscheinlich nicht gewinnen koennen und die Odds, die Sie vom Pot bekommen, verglichen mit den Chancen, dass Ihr Gegner aussteigt, zu Ihren Gunsten sind, dann sollten Sie bluffen.

Wir haben dies aber schon einmal vorher im Text besprochen, und werden deshalb nicht nocheinmal im Detail darauf eingehen. Es haengt viel davon ab, ob Sie selber die ganze Zeit gesetzt haben oder ob Sie nur gecallt haben. Wenn Sie die ganze Zeit nur gecallt haben, wuerde eine signifikante Karte zum Schluss, die Ihnen aber nicht hilft, wie zum Beispiel eine dritte Karte zu einem Flush, einen Bluff rechtfertigen. Wenn Sie die ganze Zeit aber gesetzt haben, sollten Sie am Schluss einen Bluff probieren, ganz gleich was die letzte Karte ist. Wie schon vorher im Text betont, muessen Sie natuerlich immer abwaegen, ob Ihr Gegner dazu faehig ist, eine ordentliche Hand wegzuwerfen. 

Einen Fehler, den unerfahrene Spieler machen, ist, zu setzen, wenn alle Karten ausgeteilt sind, einfach weil Sie glauben die beste Hand zu haben. Das Problem mit dieser Spielweise ist, dass Sie wahrscheinlich schon die meiste Zeit die beste Hand haben werden, mit dieser Wette aber langfistig trotzdem Geld verlieren. 
Dafuer folgende Begruendung: Sollte jemand callen, werden Sie die meiste Zeit verlieren, auch wenn Sie glauben die beste Hand in einem Showdown zu haben. Wenn Ihr Gegner schon gecheckt hat, sollten Sie in 55% der Faelle(wenn Ihr Gegner callt) die beste Hand haben, um Ihre Wette profitabel zu machen. Dies zaehlt auch fuer solche Situationen, wo Sie einen Check Raise bekommen.

Hierzu wollen wir nun einige Beispiele geben. 

Angenommen Sie haben :

K / K  

und spielen gegen einen Kontrahenten. Der Flop kommt dann mit einer Dame als hoechster Karte mit oder ohne 2 Karten der gleichen Farbe. Wenn auf den Turn und River 2 Blanks kommen und nicht zu viel geraist wurde, sollten Sie am Schluss setzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit einer schlechteren Karte callt, ist jetzt gross. 

In unserem zweiten Beispiel ist alles genauso wie oben, nur mit der Ausnahme, dass die letzte Karte eine Dame ist und somit ein Paar im Board liegt. Wenn nun Ihr Gegner checkt, ist es natuerlich gefaehrlicher zu setzen, aber wahrscheinlich immer noch richtig. Wenn aber die letzte Karte(Dame) auch noch ein Flush moeglich macht, dann sollte man nicht mehr setzen, obwohl Sie immer noch eine gute Chance haben den Pot zu gewinnen. 

Im Klartext : Wenn Sie setzen und jemand callt Sie, werden Sie wahrscheinlich Probleme bekommen.

Wenn aber nun Ihr Gegner setzt, sollten Sie nur callen, wenn die Potodds dies rechtfertigen. Dies wiederum haengt von Ihrer Kenntnis des Gegners ab und zu einem grossen Teil von Ihrer Spielerfahrung.

Aber nun zu einem Beispiel, wo ein Call fast immer richtig ist. Angenommen Sie haben die 2 hoechsten Paare, haben in jeder Wettrunde gesetzt, nachdem Ihr Gegner gecheckt hat, und nun macht die letzte Karte ein Paar mit der niedrigsten Karte im Board. Zu Ihrer Ueberraschung setzt Ihr Gegner nun ploetzlich. Die Frage, die man sich jetzt stellen sollte, ist, mit was hat Ihr Gegner die ganze Zeit gecallt. Ist die niedrigste Karte dafuer ein Kandidat? Aber auch wenn es ihrer Meinung nach moeglich ist, dass Ihr Gegner dies getan hat, warum hat er nicht versucht einen Check Raise zu machen, wenn schon so eine unscheinbare Karte am Schluss kommt. Wir glauben, dass hier zum einen genuegend Zweifel angebracht sind und zum anderen der Pot gross genug ist, dass es einen Call, ausser gegen absolut durchschaubare Gegner, rechtfertigt. 
Wenn Sie aber planen zu erhoehen, muessen Sie am Schluss ungefaehr ein 2 zu 1 Favorit sein. (ausser sie wollen einen Bluff Raise machen) Der Grund liegt zum einem in der Tatsache begruendet, dass Sie einen Reraise bekommen koennen, und zum anderen in der Tatsache, dass niemand Sie callt, ausser er hat die bessere Hand. Eine anderer Weg eine Entscheidung zu finden, wann eine Erhoehung richtig ist oder nicht, waere, wenn Sie glauben, dass Sie in 55% der Faelle, wenn Sie jemand callt, die bessere Hand haben. 
Wenn Sie als erster dran sind, sollten Sie sich immer darueber im Klaren sein, was Ihre Alternativen in einer Heads up Situation am Ende sind.

zu setzen
zu checken, mit der Absicht auszusteigen, wenn der Gegner setzt
zu checken, mit der Absicht zu callen, wenn Ihr Gegner setzt
zu checken, mit der Absicht zu erhoehen, wenn Ihr Gegner setzt.

Wenn Sie eine gute Hand haben, haengt es von drei Wahrscheinlichkeiten ab, ob Sie einen Check Raise machen oder gleich setzen. 

Von der Chance, dass man gecallt wird, wenn man setzt (wir gehen hier davon aus, dass Sie nicht geraist werden)
Von der Chance, ob Ihr Gegner setzt, wenn Sie checken, aber dann keinen Raise callt
Von der Chance, dass Ihr Gegner setzt und anschliessend Ihren Raise callt.

Nun waere eine Check Raise die richtige Strategie, wenn die 2. Wahrscheinlichkeit plus zweimal die 3. Wahrscheinlichkeit groesser ist als die 1. Wahrscheinlichkeit. Es ist nicht noetig zu betonen, dass dies wieder einmal eine Situation ist, wo gutes Urteilsvermoegen ins Spiel kommt, da Sie nicht Zeit genug haben werden, um eine genaue mathematische Kalkulation am Spieltisch zu machen.

Wir wollen Ihnen nun mehrere Hinweise geben, wann was zu tun ist.

Schauen Sie sich den Board genau an. Wenn die letzte Karte jemand leicht die zweitbeste Hand gemacht haben koennte und er leicht zu der Ueberzeugung gelangen koennte die beste Hand zu haben, sollten Sie mehr dazu neigen einen Check Raise zu machen. Ein typisches Beispiel waere, wenn am Schluss ein As kommt, Sie aber schon einen Drilling gefloppt haben, und aufgrund der Art und Weise wie die Hand gespielt wurde das Gefuehl haben, dass Ihr Gegner sowohl auf den Flop als auch auf den Turn nur mit 2 Overcards gecallt hat.

Schauen Sie sich Ihren Gegner genau an. Ist er der Typ eines Spielers, der immer versuchen wuerde den Pot zu stehlen, wenn Sie checken, aber Sie mit einer schwachen Hand wahrscheinlich nicht callen wuerde, wenn Sie selber setzen.
Hat Ihr Gegner Angst vor einem Check Raise. Wenn dies der Fall ist, dann waere es falsch einen Check Raise zu versuchen.
Wie haben Sie sich selber in dieser Spielrunde bisher verhalten. Insbesondere, wenn Sie schon mehrmals einen Check Raise gemacht haben, sollten Sie geradeheraus setzen. Auf der anderen Seite sollten Sie jetzt einen Check Raise versuchen, wenn Sie dies bisher noch nicht getan haben. 

Was nun einen Check Raise Bluff betrifft, so wird dieser nur gegen sehr leicht einzuschaetzende Gegner funktionieren, da der Pot schon zu gross ist. Sogar gegen gute Spieler ist es gewoehnlich besser geradeheraus zu setzen als einen Check Raise Bluff zu versuchen. Eine der wenigen guten Gelegenheiten einen Check Raise Bluff zu versuchen, waere dann gekommen, wenn Sie mit einer mittleren Hand, in der Hoffnung in einem Showdown zu gewinnen, gecheckt haben. Wenn Sie der Ueberzeugung sind, dass Ihr Gegner jetzt nur mit einer unwesentlich besseren Hand als Ihre setzt, sollten Sie einen Check Raise Bluff versuchen.
Es wird aber auch Gelegenheiten geben, wo man am besten checkt und dann nur callt. Dies waere dann der Fall, wenn Ihr Gegner mit all den Haenden setzt, mit denen er auch callen wuerde plus einigen Haenden, die etwas schlechter sind(gewoehnlich Bluffs).

Ein Beispiel hierzu waere : Sie spielen gegen einen aggressiven Gegner, der Sie auf einen Flop mit 2 Karten der gleichen Farbe nur callt, wobei Sie das hoechste Paar haben. Dieser Gegner kann nun entweder das mittlere Paar haben, wobei er der Ueberzeugung ist, dass seine Hand nicht gut genug ist eine Erhoehung (auf den Flop)zu machen, oder einen Flush Draw. ( Ihr Kontrahent hat in diesem Fall vielleicht keinen Raise gemacht (in der Hoffnung die naechste Karte kostenlos zu sehen), weil er glaubte, dass Sie eine legitime Hand haben und einen Reraise gemacht haetten. 

Seien Sie sich der Tatsache bewusst, dass, wenn Ihr Gegner einen Flush Draw hatte, und diesen letztlich nicht macht, er vielleicht einen Bluff versucht, wenn Sie checken. Auch glauben wir, dass ein aggressiver Spieler (wenn er keine Angst vor einem Check Raise hat) mit dem mittleren Paar setzen wird. In derartigen Situationen ist deswegen ein Check meistens die richtige Vorgehensweise, ganz egal was die letzte Karte ist. Sie gehen auch einer Erhoehung durch einen Check in dieser Situation aus dem Weg. Dies trifft insbesondere in unserem Beispiel zu, wo Sie davon ausgehen, dass Ihr Gegner das mittlere Paar hat. Nun kann die letzte Karte, die so ausschaut als ob sie niemanden nuetzt, Ihrem Gegner vielleicht das zweite Paar gemacht haben. (wenn dies der Fall ist, wird er, wenn Sie setzen, erhoehen, insbesondere wenn das Board nicht zu gefaehrlich aussieht)

Jedoch gegen einen Spieler, der viel oefter callt als selber setzt, sollten Sie eine Wette plazieren. Dies ist sogar der Fall, wenn Sie nicht Favorit sind, wenn er callt, solange Sie planen den Wetteinsatz Ihres Gegners sowieso zu callen, oder die Entscheidung zu callen oder nicht sehr marginal ist. Um auf unser vorhergehendes Beispiel zurueckzukommen, sollten Sie natuerlich setzen, wenn anstatt eines aggressiven Spielers ein aengstlicher Kontrahent, der mit dem mittleren Paar mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit nicht setzt, aber sicherlich callt, Ihnen gegenuebersitzt. Uebrigens haben wir in diesem Fall unsere 55% Regel verletzt. Diese Regel gilt aber nur, wenn wir zweiter sind und der Gegner schon gecheckt hat.

Ein weiteres Beispiel. Angenommen Sie haben

10 / 9  

alle Karten sind ausgeteilt. Das Board ist

10 / 10 / Dame / 4 / 5

Wenn Sie jetzt setzen, koennen Sie gegen einen Drilling 10 mit einem besseren Kicker verlieren, gegen ein Flush, oder sogar gegen ein Full House. Jedoch werden Sie auch einige furchtsame Mitspieler mit einer Dame oder einem Overpair in ihrer Hand callen, die niemals am Schluss selber setzen wuerden. 
Schliesslich sollten Sie checken und aussteigen, wenn Sie definitiv die schlechteren Karten haben, denken, dass ein Bluff sich nicht rechnet, und auch glauben, dass die Wahrscheinlichkeit eines Bluffs Ihres Gegners eher gering ist und ein Call dadurch nicht gerechtfertigt ist. Mit derartigen Spielsituation werden Sie natuerlich immer wieder konfrontiert.
Ein weiteres Beispiel waere, wenn Sie Karten wie das mittlere Paar mit einem Flush Draw haben und Ihr Flush am Schluss nicht gemacht haben. Jetzt sollten Sie gegen einen Spieler, der fast nie blufft und normalerweise nur mit mindestens dem hoechsten Paar setzt, aussteigen. 

 

 

 

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Erklärung der Spielkartenfarben:
Kreuz   Pik    Herz   Karo