Es gibt 3 Techniken, um Haende im Texas Holdem zu lesen. Am meisten
verbreitet ist folgende Vorgehensweise : Sie analysieren die
Bedeutung eines Checks, einer Wette, oder einer Erhoehung eines
Gegners indem Sie die offen liegenden Karten betrachten und
versuchen sich daraus ein Bild der gegnerischen Hand zu machen. Sie
versuchen einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Spielen, die der
Gegner waehrend der gesamten Hand gemacht hat, und den offen
liegenden Karten herzustellen, und kommen dann schlussendlich zu
einer Entscheidung ueber die Hand, die der Gegner am
wahrscheinlichsten hat.
Eine andere Moeglichkeit, um eine Hand zu lesen, waere, die
Benutzung der Logik. Sie deuten das Spiel Ihres Gegners in jeder
einzelnen Wettrunde und beobachten die Karten, die nach und nach
kommen, wobei Sie besondere Aufmerksamkeit auf die Reihenfolge des
Erscheinens legen.
Dann versuchen Sie die beiden Beweisstuecke, die Spielweise und die
offen liegenden Karten, miteinander zu verbinden, um einen
Rueckschluss auf des Gegners wahrscheinlichste Hand zu bekommen.
Manchmal koennen Sie Ihren Gegner schon ziemlich frueh auf eine
bestimmte Hand einschaetzen. Im allgemeinen ist dies jedoch ein
Fehler, wenn Sie sturr bei dieser Einschaetzung bleiben, ganz gleich
wie sich die Dinge entwickeln. Ein Spieler, der vor dem Flop erhoeht
hat, und dann auf dem Flop wieder erhoeht, nachdem nur kleine Karten
erschienen sind, kann ein hohes Paar in der Hand haben, er kann aber
auch nur Overcards oder einen Draw haben und versuchen die naechste
Karte kostenlos zu sehen. Einen Gegner zu frueh nahezu
unwiderruflich auf eine bestimmte Hand einzuschaetzen, kann einem
spaeter teuer zu stehen kommen, entweder weil Sie mit der besten
Hand aussteigen, oder weil Sie bis zum Schluss mitgehen, wenn Sie
nicht sollten.
Was Sie tun sollten, ist, den Gegner auf mehrere moegliche Haende
beim Start des Spiels einzuschaetzen, und dann im Laufe des Spiels
einige dieser Haende, basierend auf seiner spaeteren Spielweise und
den nachfolgenden Karten, die er bekommen hat, zu eliminieren.
Waehrend des Vorgangs des Ausschliessens von Haenden, sollten Sie
mehr und mehr Ahnung bekommen, was Ihr Gegner hat (oder was fuer
einen Draw er hat), wenn die letzte Karte erscheint.
Wir wollen einmal annehmen, dass ein Gegner auf einen Flop mit 2
Karten der gleichen Farbe erhoeht hat, nachdem jemand vorher gesetzt
hat und mehrere Leute gecallt haben, aber dann auf den Turn checkt,
nachdem eine unbrauchbare Karte erschienen ist. Jetzt ist die
Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass er einen Flushdraw hat und durch
seine Erhoehung versucht hat die naechste Karte kostenlos zu sehen.
Wenn jetzt die Flushkarte am Schluss kommt, sollten Sie
normalerweise aussteigen, ausser Sie koennen ein Flush schlagen.
Wenn die Flushkarte aber nicht kommt, sollten Sie checken, in der
Hoffnung, dass Sie Ihren Gegner dadurch zu einem Bluff verleiten.
Wenn Sie aber auch einen Flushdraw spielten, sollten Sie setzen,
nachdem eine unbrauchbare Karte am Schluss gekommen ist, da Sie eine
gute Chance haben, dass Sie den Pot durch Ihre Wette gewinnen.
Am Schluss eines Spiels ist es besonders wichtig den Gegner auf eine
bestimmte Hand einschaetzen zu koennen. Umso genauer Sie Haende am
Schluss richtig lesen koennen, desto besser koennen Sie
einschaetzen, wie gross Ihre Chancen sind den Gegner zu schlagen.
Dies hilft Ihnen natuerlich auch bei der Entscheidung, wie Ihre
eigene Hand am besten zu spielen ist.
In der Praxis versuchen die meisten Spieler wenigstens zu
entscheiden, ob ihr Gegner eine schlechte, eine mittlere, eine gute,
oder eine hervorragende Hand hat. Nehmen wir einmal an Ihr Gegner
setzt am Schluss. Normalerweise bedeutet eine Wette am Schluss
entweder einen Bluff, eine gute Hand oder eine hervorragende Hand,
aber nicht eine mittlere Hand. Wenn Ihr Gegner eine mittlere Hand
haette, wuerde er wahrscheinlich checken. Wenn Sie zum Beispiel
selber nur eine mittelstarke Hand haben, dann muessen Sie
entscheiden, was Ihre Chancen sind, dass Ihr Gegner blufft und ob
diese Chancen im Verhaeltnis zu den Potodds einen Call
rechtfertigen.
Wie wir vorher gesehen haben, ist ein Weg im Holdem, um des Gegners
Haende zu lesen, den Gegner beim Start des Spiels auf mehrere
moegliche Haende einzuschaetzen und dann eine Moeglichkeit nach der
anderen im Verlauf des Spiels auszuschliessen. Eine weitere
Moeglichkeit waere, die Sache von hinten aufzurollen. Wenn zum
Beispiel die letzte Karte eine 2 ist, und ein Gegner, der die ganze
Zeit nur gecallt hat, auf einmal setzt, muessen Sie sein Spiel in
frueheren Runden Revue passieren lassen. Da es eigentlich unmoeglich
erscheint, dass dieser Spieler mit einem Paar Zweier in der Hand so
lange mitgegangen ist, blufft er entweder oder er hat etwas anderes
als einen Drilling Zweier.
Hierzu ein weiteres Beispiel. Angenommen der Flop kommt
folgendermassen:
Koenig
♠ Dame
♦ 2
♣
Der erste Spieler, der dran ist, setzt, der zweite erhoeht, und ein
dritter Spieler, auch in einer fruehen Position, der ein solider
aber nicht uebermaessig aggressiver Spieler ist, erhoeht nochmals.
Wir wollen auch noch annehmen, dass noch mehrere andere Spieler nach
der Person, die die letzte Erhoehung plaziert hat, kommen und, dass
diese Person vor dem Flop nur mitgegangen ist. Was fuer eine Hand
hat er nun?
Als erstes sollten Sie beachten, dass diese Person sehr
wahrscheinlich nicht einen Draw spielt, und durch die Erhoehung
versucht die naechste Karte kostenlos zu sehen, da er ja nicht will,
dass die Spieler, die nach ihm kommen und der Spieler, der angesetzt
hat, aussteigen. (Dies wird aber bei der nochmaligen Erhoehung, die
er ja macht, sehr wahrscheinlich passieren)
Zweitens ist es relativ leicht einen Drilling auszuschliessen. Die
Person, die nochmals erhoeht hat, haette sehr wahrscheinlich mit
einem Paar Koenigen oder Damen vor dem Flop erhoeht, haette aber auf
der anderen Seite nicht mit einem Paar 2 von einer fruehen Position
gespielt. Aehnlich verhaelt es sich mit As / Koenig von einer Farbe,
mit As / Koenig von verschieden Farben, oder mit Koenig / Dame von
der gleichen Farbe, da er mit diesen Haenden sehr wahrscheinlich vor
dem Flop erhoeht haette. Desweiteren haette er mit Karten wie Koenig
/ Bube der gleichen Farbe, mit Koenig / Bube von verschiedenen
Farben, mit Koenig / Zehn der gleichen Farbe oder mit Koenig / Zehn
von verschiedenen Farben nicht nochmals erhoeht. ( Es ist auch sehr
zweifelhaft, ob er ueberhaupt mit Koenig / Bube bzw. Zehn von
verschiedenen Farben gespielt haette.) Dies laesst uns nur eine
moegliche Hand uebrig. Die Hand ist Koenig / Dame von
verschiedenen Farben. Da die Karten nicht die gleiche Farbe
haben, ist der Call vor dem Flop von einer fruehen Position zu
erklaeren, aber nichtsdestotrotz ist die nochmalige Erhoehung auf
den Flop die richtige Spielweise.
Wir wollen noch ein 3. Beispiel besprechen. Vor dem Flop haben 6
Spieler das Big Blind gecallt, dann hat ein starker Spieler erhoeht
und sowohl die Person auf den Button als auch alle anderen Spieler
haben gecallt. Jetzt erscheint folgender Flop :
As
♣ Dame
♠ 6
♦
Jetzt checkt jeder Spieler, bis auf den Spieler, der am Button
sitzt. Es callen nun 3 Spieler, inklusive dem starken Spieler (der
vor dem Flop erhoeht hat). Auf den Turn kommt folgende
Karte: 9
♥
Jeder checkt, bis auf den Spieler am Button, er spielt wiederum an.
Es callen 2 Spieler, inklusive dem starken Spieler.
Was hat der starke Spieler denn nun? Erstens, um ein Raise in einem
Pot zu machen, wo viele Spieler vor dem Flop beteiligt sind, braucht
er Karten, deren Wert in einem Spiel mit vielen Beteiligten, steigt.
Zweitens muss Ihm sowohl der Flop als auch der Turn
die richtigen Odds bieten, um weiterspielen zu
koennen.
Es stellt sich nun heraus, dass es nur eine Hand gibt, die einen
Call rechtfertigt.
Es ist Bube / Zehn von der gleichen Farbe. Wegen der grossen
implied Odds vor dem Flop war es richtig zu erhoehen.
Auf dem Flop war der Pot gross genug, um nur mit einem gut
shot Straight Draw mitzugehen. Und auf den
Turn machte die 9 einen open end Straight Draw moeglich, was einen
Call dann wiederum rechtfertigte.
Wenn Sie einen Spieler nicht genau auf eine Hand einschaetzen
koennen, die Anzahl der Haende aber auf eine gewisse Anzahl
beschraenken koennen, sollten Sie anhand der Mathematik versuchen
diesem Spieler eine bestimmte Hand zuzuordnen. (Mit welcher
Wahrscheinlichkeit hat er eher diese Hand als die andere) Dann
treffen Sie fuer sich die Entscheidung, was fuer eine Hand Sie
brauchen, um weiterspielen zu koennen.
Manchmal koennen Sie ein mathematisches Verfahren, basierend auf der
Theorie von Bayes, verwenden, um die Chancen zu bestimmen, ob ein
Gegner diese oder die andere Hand hat. Nachdem Sie sich fuer eine
bestimmte Kategorie von Haenden, mit denen Ihr Gegner in einer
bestimmten Situation setzen wuerde, entschieden haben, bestimmen Sie
die Wahrscheinlich mit der Ihr Gegner diese einzelnen Haende hat.
Dann vergleichen Sie die Wahrscheinlichkeiten.
Ein Beispiel :
Angenommen ein Spieler in einer fruehen Satzposition macht einen
Reraise, nachdem er zuerst gecallt hat, und Sie ordnen
Ihn als den Typ Spieler ein, der diese Spielweise nur mit A/A, K/K,
A/K von der gleichen Farbe, oder A/K nicht von der gleichen Farbe
macht und Sie wissen, dass dies der einzige Weg ist, wie er diese
Haende spielt (von einer fruehen Position). Die Wahrscheinlichkeit,
dass ein Spieler A/A als die beiden Startkarten bekommt, ist 0,45%.
Die Wahrscheinlichkeit, dass er 2 Koenige bekommt, ist ebenso 0,45%.
Er wird also 2 Asse oder Koenige durchschnittlich in 0,9% der Faelle
bekommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er A/Ks oder A/K bekommt, ist
1,2%. Wenn Sie nun diese beiden Wahrscheinlichkeiten vergleichen,
die 1,2% und die 0,9%, erkennen Sie, dass die Wahrscheinlichkeit,
dass Ihr Gegner kein Paar hat, 4 zu 3 ist. (Sie haben insgesamt 7
Anteile zu 0,3%, 4 davon sind fuer A/K und 3 fuer ein Paar)
Natuerlich sagt Ihnen die Tatsache, dass es wenig mehr
wahrscheinlicher ist, dass Ihr Gegner ein Paar hat, noch nicht, wie
Sie nun weiterspielen sollen. Nichtsdestotrotz, umso besser Sie
Ihren Gegner auf eine bestimmte Hand einordnen koennen, wenn er
setzt oder erhoeht, desto leichter ist es fuer Sie zu entscheiden,
ob Sie aussteigen, mitgehen oder erhoehen sollen.
Ein anderes Beispiel hierzu :
Angenommen Sie haben : Bube
♠ Bube
♣
und der Flop kommt nun folgendermassen : As
♥ 10
♠ 3
♣
Ihr Gegner setzt nun. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Gegner
gleichermassen mit einem
Paar 10 oder einem Paar As setzt, sollten Sie natuerlich (zumindest)
mitgehen. Wenn als Turnkarte ein weiteres As kommt und
Ihr Gegner setzt wiederum, sollten Sie erhoehen, wenn Sie ziemlich
sicher wissen, dass Ihr Gegner wieder mit einem Paar 10 setzen
wuerde. Der Grund ist, dass es viel wahrscheinlicher (mathematisch
gesehen) ist, dass Sie die beste Hand haben und sich durch Ihren
Raise vielleicht vor einer Niederlage auf die letzte
Karte retten. (Sollten Sie einen Reraise bekommen,
koennen Sie getrost Ihre Karten wegwerfen.)
Schliesslich, wie das letzte Beispiel deutlich zeigt, muessen Sie
Ihre mathematischen Rueckschluesse mit der Kenntnis ueber Ihre
Gegner ergaenzen. Zum Beispiel gibt es einige Spieler, die fast
immer in einer fruehen Position mit A/A, K/K, oder Aks callen, aber
mit A/Kos erhoehen. Diese Spieler sind der Ansicht, dass A/Kos nicht
stark genug ist, um viele Gegner im Spiel zu lassen. In diesem Fall
ist es 3 Mal wahrscheinlicher, dass Ihr Gegner, wenn er callt und
dann einen Reraise macht, ein Paar hat als A/Ks.
Ein anderer Faktor, der Einfluss auf das Lesen der Haende und das
anschliessende Spiel der eigenen Hand hat, ist die Anzahl der
beteiligten Spieler. Jedesmal, wenn jemand setzt und eine anderer
Spieler mitgeht, sind Sie in einer gefaehrlicheren Position als wenn
Sie alleine zu entscheiden haben, mitzugehen oder nicht. Im
allgemeinen kann man sagen, dass, wenn jemand vor Ihnen bereits
mitgeht, Sie mit wesentlich besseren Karten spielen muessen, da Sie
davon ausgehen koennen, dass einer von beiden etwas hat und Sie
nicht mehr gegen einen Bluffversuch spielen. Daher ist es besser
nicht mitzugehen mit Haenden, die gerade so eben einen Call in einer
Heads up Situation rechtfertigen (z.B. mit 2
Overcards), wenn schon ein Spieler vor Ihnen mitgegangen
ist.
Aehnlich sollten Sie sich verhalten bei einer geplanten Erhoehung,
wo die Karten gerademal so die Anforderungen erfuellen, und der
Spieler zu Ihrer Rechten, der aehnliche Standards ansetzt als Sie,
erhoeht. Dies bedeutet nun aber, dass dessen Hand moeglicherweise
besser als Ihre ist, und dass Sie besser aussteigen.
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Erklärung der Spielkartenfarben:
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